„Was jetzt geschieht, geschieht uns.“
Wir erinnern und ehren in diesem Jahr Anna Seghers, Schriftstellerin und Kommunistin, die in diesem Jahr 125 Jahre alt geworden wäre.
Im Juli 1950 stellt sie an ihre Kolleginnen und Kollegen die Frage:
„Wie kann unsere Jugend verstehen lernen, dass ein Gesellschaftssystem, das auf Ausbeutung statt auf freier Arbeit errichtet ist, die Kriegsdrohung in sich birgt?“ Sie weist damit, kurz nach dem Ende des Faschismus, auf die drohende Kriegsgefahr hin, die dem Kapitalismus innewohnt. Gleichzeitig wird das Bestreben ihres Schreibens deutlich: „Wir beschreiben das fade Licht der Glühbirnen nicht, um einen malerischen Eindruck hervorzurufen, sondern weil sich auch in diesen Glühbirnen wie in jedem Gegenstand die Klassenlage seines Gebrauchers zeigt.“ (aus ‚Kleiner Bericht aus meiner Werkstatt‘)
Anna Seghers, geboren als Netti Reiling, kam am 19. November 1900 in Mainz zur Welt. Aufgewachsen in einer Zeit, in der Frauen sich demütig und still ihrem Schicksal fügen und politische Geschehnisse den Männern überlassen sollten, ging Anna Seghers einen anderen Weg: Sie wollte ihre Zeit mitgestalten und brachte sich mit Mut und Kraft ins politische Geschehen ein.
Während des Faschismus musste Anna Seghers aus Deutschland flüchten – zunächst über die Schweiz nach Paris, 1940 auf riskante Weise nach Marseille. 1941 gelang der Familie schließlich die Flucht nach Mexiko.
1947 kehrte Anna Seghers nach Berlin zurück und lebte bis zu ihrem Tod 1983 in der DDR. Als politisch engagierte Schriftstellerin und Kommunistin, als Antifaschistin und Kriegsgegnerin bezog sie zeitlebens konsequent Stellung gegen Unterdrückung und soziale Ungerechtigkeit, gegen Faschismus und Krieg. Beharrlich warnte sie schon früh vor dem Erstarken der Nationalsozialisten, klärte in ihren Schriften, Aufrufen und Romanen auf und ermutigte zum Widerstand (u.a. in ‚Der Kopflohn‘, ‚Das Siebte Kreuz‘ und ‚Transit‘). Beeindruckend sind neben den Romaninhalten (das Erstarken und Grauen des Faschismus und dem Widerstand dagegen) auch die Frauenfiguren in ihren Texten. Sie erzählen „vom Hunger auf Leben (…), vom Mut, menschlich zu sein und sich selbst treu zu bleiben.“ Es sind Frauengeschichten aus dem Alltag, unspektakuläre, gewöhnliche Lebensgeschichten, aber „in der Kraft der Schwachen bewahren die Frauen ihre Würde, wenn sie zerrieben werden vom politischen Terror ihrer Zeit.“ (aus „Die Trennung. Geschichten über Frauen“)
Ihr Bestreben war es, in ihren Werken hinter der Verzweiflung die Möglichkeit und hinter dem Untergang den Ausweg spürbar zu machen. So ist sie ein Vorbild für alle, zuversichtlich und mit Klassenbewusstsein ins Leben zu gehen und für den Sozialismus zu kämpfen.