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Mach’s wie Ettie

Wer war Ettie Gingold?

„Glaubt mir, ich spreche aus meiner eigenen Erfahrung: Ohne die Teilnahme der Frauen wäre der deutsche antifaschistische Widerstand undenkbar.“ (Rede in FFM zum 1.Mai, 1984) Ettie Gingold, geboren Ettie Stein-Haller 1913 in Rumänien(Österreich-Ungarn), war eine aktive Widerstandskämpferin gegen den deutschen Faschismus, Kommunistin und bedeutende Figur der Friedensbewegung in der Bundesrepublik nach 1945. Mit 22 Jahren zog sie zu Verwandten nach Paris, wo sie anfing sich zu politisieren. Sie schloss sich einer Gruppe antifaschistischer emigrierter deutscher Jugendlichen an, wo sie sich zunächst unter anderem an der Kampagne „Liberez Ernst Thälmann“, in Form von Unterschriften sammeln und Aufklärungsarbeit beteiligte. In dieser Gruppe lernte sie auch ihren späteren Ehemann Peter Gingold kennen, welcher mit ihr fortan Seite an Seite kämpfte.

1936 gründete sich die Gruppe als FDJ in Paris, sie war ein Kollektiv aus verschiedenst eingestellten deutschen Emigranten, welche vereint im antifaschistischen Kampf waren, einige von ihnen beteiligten sich auch an der Internationalen Brigade, welche in Spanien gegen den faschistischen Franco kämpfte. Die Pariser FDJ stand vereint mit der französischen Widerstandsbewegung „Resistance“, welche im Krieg nicht nur aktiv Widerstand leistete, sondern auch vielen Nazi-Verfolgten, vor allem Jüdinnen und Juden über die Grenze half. Während dem Krieg lebte sie unter falschem Namen und brachte zu seinem Schutz ihr mittlerweile geborenes Kind bei einer Bauernfamilie in der Champagne unter. Sie unterstützte die Resistance zu dieser Zeit vor allem als Kurierin und druckte in ihrer Wohnung Flugblätter und Schriften.

Nach dem Krieg zog sie mit ihrer Familie in die Heimat ihres Mannes, Deutschland, wo sie nicht nur, aber vor allem in der Friedensbewegung gegen die Remilitarisierung aktiv war, wobei das Sammeln von über 12.000 Unterschriften für den Krefelder Appell gegen die Stationierung von Atomwaffen auf Boden der BRD, besonders hervorzuheben ist.

„Ich habe die Erfahrung gemacht, kämpfen lohnt sich. Hätte ich mich nicht gewehrt, wie viele- mit Sicherheit wäre ich den Gaskammern von Auschwitz gelandet.“ (Rede in FFM,1983)

Zwar, war sie, wie sie selbst sagt keine große Theoretikerin, hat jedoch über die Jahrzehnte des politischen Kampfes einige Reden verfasst und gehalten, von welchen noch einige transkribiert und archiviert wurden. Sie hat stets erkannt, dass der Kampf gegen Krieg, Faschismus und Kapital die Voraussetzung für den Kampf um die Befreiung der Frauen ist. So entlarvt sie die Aussagen der CDU in einer Rede zum 1. Mai in Frankfurt am Main 1984:

„Sie wollen die Massenarbeitslosigkeit zu einem Normal-Zustand machen, wobei die Frauen am meisten betroffen sind und als Druckmittel gegen die benutzt werden, die noch einen Arbeitsplatz haben.“

„Welch eine Heuchelei! Das Ideal der Mütterlichkeit propagieren die Christ-Demokraten und streichen zugleich den Mutterschaftsurlaub und kürzen das Mutterschaftsgeld. (…) Mich erinnert dies an die Situation der Frauen im dritten Reich. Als es darum ging, die Zahl der Arbeitslosen zu verringern , da priesen die Naziführer das Ideal der Mütterlichkeit, der Familie und der Frau, die sich am heimischen Herd verwirklichen kann. Aber dann standen sie später als Arbeitskraftreserve zur Verfügung, dann wurden sie für die Rüstungsindustrie gebraucht, als die Männer in die Massengräber getrieben wurden. (…) Kaserne für die Frauen öffnen, heute als Freiwillige und morgen als Wehrpflichtige. Weder freiwillig noch dienstverpflichtet, die Frauen antworten mit Nein!“

Auch heute ist Etties Kampf aktueller denn je: Wir sehen uns mit der größten Aufrüstungskampagne Deutschlands seit dem Faschismus, dem Erstarken einer neuen Rechten und immer offeneren Angriffen auf Arbeitsrechte und Sozialstaat konfrontiert. Voraussetzungen, die nicht nur die doppelte Ausbeutung der Frau verstärken, sondern Gewalt gegen Frauen, welche in immer mehr Femiziden mündet, strukturiert fördert.

Wehren können wir uns dagegen nur als organisierte Klasse, gegen Krieg, Faschismus und Kapitalismus. Gemeinsam gegen die Ausbeutung aller Geschlechter und für ihre Befreiung!

Machs wie Ettie!